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Menschen jeden Alters stehen im Raum

familyNET in der Presse

06.04.2017, Ettlingen - Amtsblatt Ettlingen
Familienbewusste Personalpolitik in Unternehmen

Impulse, Informations- und Erfahrungsaustausch, Vernetzung, Ausloten von Kooperationsmöglichkeiten: Drehscheibe und Informationsplattform gleichermaßen
wollten die Veranstalterinnen des Vormittags im Zeichen der familienfreundlichen
Firmen- und Personalpolitik bieten.

Rund 30 Vertreterinnen und Vertreter der verschiedensten Unternehmen und einiger Behörden waren der Einladung von Anja Englisch vom Amt für Bildung,  Jugend, Familie und Senioren und Sabine Speck vom Amt für Gebäudewirtschaft und Wirtschaftsförderung gefolgt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Svenja Felder von familyNET Karlsruhe.

„Wir haben gute Gründe, dieses Thema aufzugreifen“, merkte Oberbürgermeister Johannes Arnold an, der die Gäste in der Buhl’schen Mühle begrüßte. Denn der demografische Alterungsprozess ist unaufhaltsam. 1964 kamen in Deutschland 1,35 Mio. Menschen auf die Welt; diese „Babyboomer“ werden ab 2030 in Rente gehen. 2012 wurden in Deutschland rund 670.000 Menschen geboren, die ab 2030 in Brot und Lohn stehen werden – der Generationenvertrag gerät in Schieflage. 

„Sicher wird es technische Lösungen geben, wenn sehr viel weniger Arbeitende zur Verfügung stehen als heute, selbstlenkende Bahnen beispielsweise“, so der OB. Doch wie wird sich die demografische Entwicklung auf personennahe Dienstleistungen auswirken? Wie kann die Personalpolitik in Firmen, Unternehmen und Behörden gegensteuern?

Auf der anderen Seite sind Familien heute permanent unter Druck: Die Aufgabe, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ist ein großer Stressfaktor. Wie kann Personalpolitik diesen Stress minimieren? Arnold wies zudem darauf hin, dass der Gemeinderat vor kurzem den Wettbewerb Familienfreundliches Ettlingen ausgeweitet hatte auf Unternehmen. „Das Wettbewerbssiegel ist auch ein Standortfaktor, deshalb: bewerben Sie sich!“

Grundlage des Workshops war eine Umfrage, die von den beiden einladenden Ämtern erarbeitet worden war. Im Oktober 2016 wurden über 180 Unternehmen und Behörden angeschrieben, knapp 60 Fragebögen kamen zurück. Es ging zum einen darum, den Stand der familienfreundlichen Personalpolitik zu erfragen: was gibt es bereits, angefangen von flexiblen Arbeitszeitregelungen über Kinderbetreuung bis hin zu Home Office oder zur Akzeptanz von Familienphasen?Vieles wird bereits umgesetzt, so das Fazit, und das Interesse an
der Ausweitung des Angebots ist stark, nicht nur mit Blick auf die Versorgung der Kinder, sondern zunehmend auch hinsichtlich der Versorgung pflegebedürftiger Eltern. Christine Erhardt vom Kompetenzzentrum Arbeit und Diversität Baden-Württemberg, das im Statistischen Landesamt angesiedelt ist, hielt den  Impulsvortrag „Familienbewusste Personalpolitik – Ansatzpunkte und Erfolgsfaktoren“. Sie verwies auf langjährige Erfahrung mit dem Thema, denn bereits seit den 80er Jahren erarbeitet das Institut Wissenschaftliche Analysen zum Thema Familie und demografischer Wandel und ist auf diesen Gebieten beratend und unterstützend tätig. Erhardt legte den Finger auf die wunden Punkte:  Wissensträger werden en bloc verrentet; die Pflegewelle rollt; Eltern stehen massiv unter Stress; Kosten durch Absentismus und Präsentismus (der Arbeitnehmer ist, überspitzt formuliert, nur körperlich anwesend); wenig Rückhalt durch die Führung.

„Personalpolitik für Fortgeschrittene ist gefragt“, machte sie deutlich. Zu den Erfolgsfaktoren gelungener Personalpolitik gehöre in erster Linie, dass die Probleme der Familien Chefsache seien. Flexible Arbeitszeitmodelle seien gefragt, Konflikte aufgrund von Ungerechtigkeiten müssten vermieden werden. Sinnvoll sei es,  Praktiken für die Bewältigung von Belastungssituationen zu entwickeln und in Netzwerke zu investieren.

„Good practice“ – Beispiele stellen Dietrich Feldmann, bardusch GmbH & Co. KG, Dr. Oliver Maetschke von der ETTLIN AG sowie Klaus Nitschke und Valeria Henninger von der cortility gmbh vor. Sie gingen dabei jeweils auf die spezifischen
Strukturen ihrer sehr unterschiedlichen Branchen ein mit ganz speziellen Herausforderungen wie Schichtbetrieb, laufende Produktionsprozesse oder Mitarbeiterbindung, und schilderten, inwieweit Mitarbeiter bereits unterstützt werden bei der Betreuung von Kindern oder Eltern und welche Ideen noch der Umsetzung harren.

Ob gerechte Arbeitsverteilung auf Teil- und Vollzeitkräfte, Notfall- und Randzeitenbetreuung, Eltern-Kind-Arbeitszimmer, Unterstützung in Sachen Pflege nebst umfassender Informationsmöglichkeiten, Telearbeit, Freistellung, Jobsharing– beim abschließenden Überblick über die Themen, die in den Personalabteilungenbereits gewälzt werden oder in Bälde anstehen, wurde deutlich, dass noch reichlich Gesprächsbedarf besteht. Daher ist geplant, künftig ein bis zwei Mal pro Jahr Veranstaltungen zu den unterschiedlichen Themenkomplexen anzubieten.

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